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Borderline und mein Weg der Heilung

Warum quäle ich mich so? Warum füge ich mir Schmerzen zu?

Zunächst hier eine Definition von Borderline

Die Borderline-Störungen gehören zu der diagnostischen Gruppe der Persönlichkeitsstörungen. Ihr Name beruht auf der Annahme, sie entstehe aus einer Kombination von Psychose und Neurose. Heute wird sie aber größtenteils den Persönlichkeitsstörungen zugeordnet.

Kern der Borderline-Störung bilden eine fortgesetzte Instabilität in sozialen Beziehungen und bei der emotionalen Reaktion auf Anforderungen. Daraus entwickeln sich hauptsächlich folgende Merkmale: Ein Muster intensiver Abfolge von häufig wechselnden sozialen Beziehungen, der Neigung zu selbstgefährdendem Verhalten oder starken Gefühlsausbrüchen. Eine große emotionale Instabilität, mit häufigen und teilweise extremen Stimmungsschwankungen. Selbstschädigendes Verhalten in verschiedenen Ausprägungsformen und- arten, etwa Selbstverletzungen, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Ess-Störungen etc. häufiger Gedanke an Suizid (Selbstmord). Angst vorm Alleinsein und ständiges Gefühl der Leere und Langeweile.

Welches Schicksal haben die betroffenen Menschen? Die Borderline-Störung ist eine Erkrankung des jungen Erwachsenen und bleibt nur selten bis ins hohe Alter bestehen. Die Gefährdung und die Einschränkung der Lebensqualität ist jedoch lange Jahre enorm. Vielen gelingt die Gründung einer eigenen Familie und eine angemessene berufliche Entwicklung nicht. Etwa 10 Prozent der Betroffenen sterben an den Folgen der Erkrankung.

Ursache der Borderline - Störung
©  Luis Royo - AngelAlle Situationen, die von Borderlinern eine Entscheidung verlangen, können die Aggressionen akut ausbrechen lassen, die sie gegen sich selbst und andere richten. Schwere seelische Verletzungen sind die Ursache einer Borderline-Störung. Beispielsweise kann Vernachlässigung, Ständige Ausnutzung, Gewalttätigkeit, seelischer Mißbrauch oder Vergewaltigung Menschen in eine hilflose Ohnmacht stürzen. Das wiederholte oder andauernde Gefühl, einer überstarken Macht ausgeliefert zu sein, kann schon ganz früh im Leben (der präödiphalen Phase) den Aufbau eines gesunden Selbstbewußtseins verhindern. Durch Wiederholungszwang bringen sich Borderliner unbewußt immer wieder in Situationen, in denen sie sich schädigen oder andere ihnen neues Leid antun. Wer im Leben nicht erfahren konnte, dass er eigene Werte und Stärken hat, kann dazu neigen, sich unbewußt nur dann wirklich lebendig zu fühlen, wenn er gedemütigt, beschädigt und unterworfen wird.

Die Defizite finden ihren Ursprung meist in der präödiphalen Phase: Das es sich bei den Symptomen der Borderline-Störung um ein zusammenhängendes Krankeitsbild handelt, dem Borderline-Syndrom, ist in Psychatrien und unter den Psychologen und Therapeuten nicht immer die Meinung der Mehrheit. Eine psychatrische Schule, die sehr stark psychoanalytisch orientiert ist, die "Dynamische Psychatrie" vertritt die Auffassung, dass neurotische und psychotische Erkrankungen, genauso wie psychosomatische Krankheiten und Süchte nicht streng von einander abgrenzbar sind. Vielmehr würden sich die Borderliner auf einem "gleitenden Spektrum" psychischer Störungen befinden. Die Defizite der Borderline-Störung sollen ausschließlich in der präödiphalen Phase liegen, also vor dem dritten Lebensjahr. Ist die Gruppendynamik in der Familie in dieser frühen Kindheit gestört, entwickelt das Kind ein "Loch im Ich", ein Ungleichgewicht der "primären Humanfunktionen" wie Aggression, Narzissmus, Angst, Ich- Abgrenzung, Sexualität und Kreativität.

© Regina F. Rau - wirklich alles verloren?Eigentlich hatte ich es erst die letzten paar Jahre bemerkt was mit mir los ist, indem ich es im Außen betrachten durfte. Dann wurde mir klar dass ich fast mein gesamtes Leben so gelebt habe um etwas damit zu bezwecken. Was ich damit meine, könnt ihr gleich erfahren:

Nun mein Verhalten ist sicherlich keine Absicht von mir sondern ein Muster, das unüberwindbar scheint, und noch mehr, es zu durchschauen. Wenn ich es dann durchschaue, dann frage ich mich, wo bin ich? Was bleibt dann noch wenn dies der selbst zerstörerische Weg ist, wo bin ich unter all dem Schotter, von Trauer, Hass, Wut und vielleicht auch Liebe.

Nun warum quäle ich mich so? Bin ein Kind gewesen was verstärkt die Aufmerksamkeit der Mutter wollte. Einen Vater hatte ich auch nicht richtig. Weil mein Stiefvater angeblich Jungen hasste, musste ich drunter leiden. Wenn ich spielte trat er mich oft ohne Grund und wenn ich mal was anstellte dann gab es richtig krasse Prügel. Da waren auch dann schon die ersten Ansätze von Borderline-Persönlichkeitsstörungen bei mir zu bemerken. Ich rief unter Tränen dann immer, schlag doch, schlag doch, es tut nicht weh, es tut nicht weh, du Schwein. Er schlug dann auch auf meinen nackten Hintern weiter bis ich nicht mehr konnte, zusammenbrach und nicht mehr sitzen konnte. Ich hatte sehr lange geweint, ich kann mich noch genau daran erinnern das da etwas in mir zerbrach.

© Regina F. Rau - AleinEigentlich wollte ich nur Liebe und Aufmerksamkeit aber ich konnte anstellen was ich wollte, ich bekam sie nur wenn ich etwas Schlimmes anstellte. So holte ich mir auf diese Weise die Aufmerksamkeit von meiner Mutter, die natürlich völlig mit mir überfordert gewesen war. Ich glaube zu den damaligen Zeitpunkt gab es den Begriff ADS oder Hyperaktivität noch gar nicht. Meine Mutter sagte oft zu mir: "ach, hätte ich dich doch nicht geboren!"

Meine Schwester war etwas besonderes. Sie spielte Orgel, tanzte Ballett - nun, und ich spielte "nur" Fußball. Auch unter meinen Gleichaltrigen war ich ein Außenseiter. Wollte immer der Stärkste der Beste sein. Ich sollte häufig verprügelt werden, aber meistens drehte ich den Spieß um und ich wurde zum Tier, habe mich dann so doll wieder geprügelt, dass dann gleich Krankenwagen oder Polizei kam und das als Kind. Nein ins Heim bin ich nicht gekommen.

Meine Borderline-Symptomatik machte sich als Kind schon beim Fußballspielen bemerkbar. Ich spielte solange bis ich erschöpft zusammenbrach. Meine Knie waren oft blutig und offen gescheuert. Ich fasste auch gerne an einen Stromzaun an den Weiden, das machte ich solange das ich noch stunden danach Schmerzen und Zittern in den Armen hatte. Damals als Kind dachte ich natürlich, super wie stark ich bin. Alles diente mir immer dazu, dass jemand auf mich aufmerksam wurde, mich endlich lieb haben sollte. Aber es half anscheinend nicht. Die Fronten der Erwachsenen verhärteten sich sogar und ich wurde als das schwer erziehbare Kind bezeichnet: Verhaltensgestört! Damals konnte ich damit nicht viel mit anfangen, schaute nur blöde wen man mir das erzählte. Auch meine Mutter sah sich diesem Ausdruck gegenüber ratlos.

Um ein wenig ruhiger zu werden, ging ich früh als Kind zum autogenen Training, was mir sehr gefiel. Ich merkte da schon, dass ich mich irgendwie gut mit meinen Höheren Selbst verbinden konnte. Nur damals hatte ich es als ein Wunder bezeichnet - als einen großen Frieden - wo Liebe und Harmonie war.
Als Kind wenn ich alleine auf der Toilette war, habe ich mich oft selbst geohrfeigt, oder meine Daumen waren schon damals immer blutig geknibbelt. Manchmal wenn ich traurig war, dann schlug ich meinen Kopf einfach gegen die Kacheln. Ich ging in den Keller sperrte mich selbst ein und man musste mich suchen. Keiner konnte was damit anfangen… keiner - auch ich nicht.

© Baris Rau - PegasusAn meinen Schulen fiel ich dadurch auf, dass ich besonders in sportlichen Fächern sehr gute Leistungen vollbrachte. Ich war sogar oft Schulbester, lief am schnellsten, warf am weitesten, sprang am weitesten und hatte die stärksten Muskeln. So sollte es auch bleiben, jeder "Neue" der auf der Schule kam wurde erst einmal getestet ob er mir das Wasser reichen konnte. Mit 14 Jahren schaute ich bei den Gewichthebern rein und fing heimlich in einer alten Turnhalle an zu trainieren. Die Gewichtheber waren begeistert von mir und so trainierte ich heimlich, immer und immer wieder. Ich weiß noch genau, wie ich vor Muskelschmerzen kaum gehen konnte. Oft waren auch die Gelenke und die Wirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen worden. Ich liebte diese Qual, denn ich bekam dadurch die Anerkennung der Gewichtheber. Mit 16 Jahren stand ich in der Hagener Zeitung als der absolute Top und Modellathlet als besonders Talentierter Nachwuchs.

Langsam trug meine Selbstkasteiung auch Früchte. Nun hatten die Leute auch langsam Angst vor mir - auch wegen meinem kräftigen Äußeren und in der Schule war ich dadurch natürlich körperlich jedem überlegen. Natürlich hatte keiner etwas von meinen Schmerzen gewusst, dich in den Hüften, in der Wirbelsäule und natürlich in den Muskeln hatte. Heute weiß ich, dass ich natürlich zu früh und zu hart trainiert hatte. Das war der Preis dafür, dass ich als Kind so naiv alles machte, um geliebt zu werden.

Die Liebe meiner Mutter konnte ich durch sportliche Höchstleistungen nicht bekommen. Keine Chance hatte ich gegen das grazile Schwesterchen. Ich war immer nur der Bolzer, der Grobmotoriker, der alles Kaputtmacher, der immer am schmutzigsten nach Hause kam. Meine Bemühungen, die Liebe meiner Mutter zu bekommen, waren aussichtslos. So wurde ich hart gegen mich selbst. Einmal brach ich mir das Bein bei einen Moped-Unfall, meine Mutter kam besorgt zum Krankenhaus und ich schmiss sie raus, ich konnte sie nicht ertragen, ich war in diesem Augenblick so sehr verbittert und kalt.

Nun ich war viel auf der Strasse, hab viel Sport gemacht. Ich war auch so was wie der Held von der Strasse, den man von weitem am liebsten bewunderte. Einige Freunde bekamen von ihren Eltern verboten mit mir zu spielen, weil ich zu einseitig und extrem sei. Das tat natürlich auch meiner Kinderseele wieder sehr weh. Ich habe weggesteckt bis zu Abwinken.

So ging ich dann eines Tages zum Body-Building. Das war auch noch mit 16 Jahren, weil meine Muskulatur so gut auf das Training ansprang. Ich trainierte vier bis sechsmal die Woche und manchmal auch morgens und abends. Die Bestätigung von außen wuchs, und so ließ ich mich auch noch dazu überreden, anabole Steroide zu nehmen. Ich wurde für die damaligen Verhältnisse Gigantisch!

Mein Herz blieb zu klein, schaffte diesen massiven Körper nicht mehr zu versorgen. Ich kam ins Krankenhaus und es war aus. Dieses kleine Herz hat nicht mehr geschafft den Dirk zu versorgen. Ein Sinnbild, denn ich schrie ja schon förmlich nach Liebe und ich bekam sie nicht. Das Außen oder Gott hatte mir dann gezeigt was los ist. Ich verstand es aber nicht, was mir gezeigt wurde. Auch bei diesem Krankenhausaufenthalt bekam ich wenig Besuch. Meine Mutter wagte es kaum noch. Außer ein bestimmter Body-Builder, wo ich dachte er sei mein Freund.

© Baris Rau - Der RitterDieser hatte mich mit einer Welt in Berührung gebracht wo ich mir zu dem damaligen Zeitpunkt noch keine Gedanken machte. Er fragte mich ganz einfach nur: "ob ich mir nicht mal überlegt hätte dass es noch mehr hinter all dem gibt, was man sieht" Ich war begeistert. ich lieh mir Bücher aus über Parapsychologie usw. So haben wir viele Jahre intensiv zusammen verbracht, ständig probierten wir neue Energiezustände aus. Dieser Freund hatte einen hypnotischen Einfuß auf mich, ich liebte ihn wie ein Vater.

Wir waren oft zusammen und gingen durch die Stadt. Er sagte: "warte mal!", und war dann plötzlich einfach weg und ist nicht wieder gekommen. Dies machte er sehr häufig. Ich blieb zurück und es machte sich dann immer wieder eine gähnende und trostlose Leere in mir breit. Ich dachte dann immer "wo ist meine Energie geblieben". Manchmal gingen wir auch einen trinken. Ich bemerkte es nicht, das dieser "Freund" mir Psychopharmaka ins Bierglas tat. Dann war ich häufig so breit, dass ich oft ziellos durch die Strassen lief oder einmal sogar überfallen wurde - und man mich um meinen ganzen Arbeitslohn brachte, den ich bei gehabt hatte. Einmal pinkelte er mich auf offener Strasse vor allen Leuten sogar an. Dennoch hatte ich nicht gemerkt was mit mir gemacht wurde - nein - ich lachte sogar noch. Ich hatte wohl gar kein Selbstwert mehr. Ich hatte es nicht anders verdient, so dachte ich, und so einen Freund wohl auch.
Ich war und bin es vielleicht auch heute noch, immer ein Extrem! Alles was ich tat habe ich immer bis zur Höchstleistung gebracht. Ob es Sport war, ob es meine öffentlichen Reden waren, ob es meine Freundschaften, meine Beziehungen zu Frauen waren alles zeichnet eins immer aus, extrem sein.
Ausgenommen meine fast 17 Jahre Rohkost, diese ist bis jetzt bis auf die erste Umstellungszeit eine wunderbar gleich bleibende erfreuliche Erfahrung. Ausgenommen auch meine geistig spirituelle Erfahrung, durch Reiki, durch Aufarbeitung und durch Familienstellen usw. Dadurch kam und komme ich mehr und mehr in meine Mitte.

Ich hatte selten auf mich geachtet, ob es mir gut geht, ob ich mich wohl fühle, ob ich es schön sauber habe, ob ich es mir gemütlich mache. Ich denke oft ich habe es anders nicht verdient.

© Baris Rau - EthnoDas sah dann konkret so aus, dass ich in meiner Wohnung hauptsächlich schlief, ohne mich mehr als das allernötigste um den Haushalt zu kümmern, oder um ein schönes Ambiente. Ich mochte es nicht, wenn meine Partnerinnen aufräumten, die Wohnung schön gestalten wollten - und schon gar nicht, wenn sie dabei gelegentlich meine Mithilfe wollten. Oder ich mauerte plötzlich sogar bei Dingen, die ich eigentlich alleine sehr gerne machte, wenn meine Partnerinnen plötzlich mitmachen wollten, oder sich auch allein mit dem selben Thema beschäftigten. So war ich in meinem Privatleben aber nicht immer. Sondern durch ein einschneidendes Erlebnis innerhalb der Ehe hatte sich das schlagartig geändert, was sich auch bei meiner späteren Beziehung weiter fortsetzte.

Meine letzte Partnerin, hatte mir sehr geholfen darauf zu schauen. Sie war der einzige Mensch, der mir unerschrocken aufzeigte, was ich mir da eigentlich antue. Ich machte durch mein Selbstzerstörendes Verhalten große Schwierigkeiten. Meine Partnerin kam häufig an ihre Grenzen des machbaren - weil ich mauerte und abschmetterte - aber in ihrer Liebe zu mir riss sie mein selbstgebautes Bollwerk immer wieder nieder.

Durch ein paar dramatische aufeinanderfolgende Ereignisse wurde das Chaos in mir fast unerträglich. Wir wussten, dass wir unter diesen Bedingungen nicht zusammen bleiben konnten. Dadurch, dass ich in einem gefühlsmäßigen Vakuum bin, haben wir uns vorläufig getrennt, damit ich mir meiner Gefühle auf neutralem Boden klar werden kann.

Deshalb bin heute erstmals alleine - wirklich alleine - und ich merke, dass ich dadurch eine reelle Chance habe, mich zu finden, mich zu lieben - und dadurch auch einen anderen Menschen auch lieben zu können.
Ja ich quälte mich so weil ich mich spüren wollte, ob ich da bin, am Leben bin. Ich quälte mich so weil ich lieben wollte, fühlen wollte. Ich hoffe, es fällt ab ...
...und dafür sind erste Schritte getan.

Jetzt, wo ich alles erzählt habe, freue ich mich auf einen neuen Horizont, auf meinen neuen Weg in Freude Licht und Harmonie mit mir und allen, die mich so sehen können, wie ich wirklich bin!

© Regina F. Rau -  Werden

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